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Autonomes Fahren: Automatisch Milliarden sparen

Staus minimieren, Unfallzahlen reduzieren, Sprit sparen, Luftqualität verbessern: Studien prognostizieren, dass sich mit Roboterautos alleine in Deutschland 15 Milliarden Euro einsparen lassen – pro Jahr.

30 Prozent weniger Sprit- oder Stromverbrauch beim Elektroauto, 90 Prozent weniger Unfälle und dazu frei verfügbare Zeit im Wert von bis zu vier Billionen Euro: Nach Ansicht von Schweizer Wissenschaftlern von der Universität St. Gallen ließe sich mit der Technologie des autonomen Fahrens jedes Jahr viel Geld sparen. Rund 1,2 Milliarden Autos sind heute weltweit auf den Straßen unterwegs. Jedes Fahrzeug im Schnitt eine Stunde pro Tag. Allein ein Drittel des städtischen Verkehrs geht auf das Konto der Parkplatzsuche. Von effizienter Mobilität also keine Spur. Das vernetzte, autonom fahrende Auto müsse in Zukunft dank intelligenter Sensoren nicht mehr nach Parkplätzen suchen, bräuchte weniger Platz und könnte auf der Straße dichter auffahren. Zudem schätzt die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC im Rahmen des „2018 Digital Auto Report“, dass durch den zunehmenden Einsatz geteilter und selbstfahrender Autos bis 2030 die Anzahl der Pkw auf den Straßen weltweit um etwas mehr als fünf Prozent zurückgeht.

Wie Autos in Deutschland genutzt werden

Trotz aller Diskussionen um alternative Mobilitätskonzepte: Noch ist das Auto Deutschlands dominierendes Verkehrsmittel.

  • rund 43 Millionen Fahrzeuge sind allein in privaten Haushalten gemeldet
  • Die durchschnittliche Betriebsdauer liegt pro Tag bei 45 Minuten
  • Fast zwei Drittel der Pkw-Fahrten sind kürzer als zehn Kilometer
  • Rund 3,2 Milliarden Kilometer legen die Deutschen pro Jahr zurück
  • Pro Person sind das täglich 39 Kilometer
  • Mit dem Auto legen die Deutschen drei Viertel der Personenkilometer zurück (Quelle: „Mobilität in Deutschland 2017“)

Warum sinken die volkswirtschaftlichen Kosten des Autofahrens?

Heute kostet ein Kilometer Autofahrt etwa 40 Cent. Im rund um die Uhr genutzten Roboterauto sinkt dieser Betrag auf nur noch drei Cent. Laut einer Studie von KEConsult, die der Deutsche Industrie- und Handelskammertages (DIHK) im Sommer 2018 in Auftrag gab, sinken die volkswirtschaftlichen Kosten durch autonomes Fahren um jährlich 8,3 Milliarden Euro. 6,2 Millionen Tonnen weniger CO2 gerieten in die Luft. Über eine dem Verkehr besser angepassten, also konstanteren Fahrweise ohne menschlichen Fahrer ließen sich allein auf Autobahnen Kraftstoffkosten in Höhe von 15 Prozent einsparen. Auf dem übrigen Straßennetz blieben sogar rund 30 Prozent mehr in den Tanks. Hieraus ergibt sich eine jährliche Ersparnis von 2,1 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Fahrzeit verringert sich um 20 Prozent – durch optimierten Verkehrsfluss und weniger Staus. Damit reduzierten sich die Ausgaben um  4,1 Milliarden Euro pro Jahr. Langfristig ließen sich mit vollautonomer Technik insgesamt 15 Milliarden Euro jährlich einsparen. Dabei haben Digitalisierung und Automatisierung laut der PwC-Studie aus diesem Jahr auch erhebliche Auswirkungen auf die Transportwirtschaft. So könnten ab 2030 autonom fahrende Lastwagen bereits 78 Prozent der verfügbaren Zeit unterwegs sein. Heute sind es lediglich 29 Prozent. Die Kehrseite der Medaille: Laut PwC gehen vier Fünftel der Einsparungen auf Einschnitte beim Personal in der Transport- und Logistikbranche zurück.

„Den Beruf des Lkw-Fahrers werden wir noch ziemlich lange brauchen“, sagt dagegen MAN-Chef Joachim Drees – wenn auch mit einem veränderten Job-Profil.“

Denn je mehr autonome Fahrtechnik in den Lastwagen verbaut ist, desto stärker dürften für die Fahrer Aufgaben etwa im logistischen Bereich hinzukommen. Gleichzeitig könnten Autofahrer laut einer Untersuchung der Universität St. Gallen, die im Rahmen des Genfer Automobilsalons 2018 veröffentlicht wurde, die heute rund 400 Milliarden Stunden am Lenkrad produktiver nutzen – und beispielsweise schon während der Fahrt Organisatorisches erledigen oder einfach etwas entspannen.

50 Prozent weniger Unfälle

Eine aktuelle Studie des Prognos-Forschungsinstituts im Auftrag des ADAC geht davon aus, dass sich autonomes Fahren außerdem positiv auf die Unfallzahlen in Deutschland auswirkt. Dank neuer Sicherheitssysteme in vernetzten Fahrzeugen soll sich demnach die Zahl der Verkehrstoten pro Jahr in Deutschland in naher Zukunft halbieren – von aktuell mehr als 3000 auf rund 1500 in den nächsten 15 Jahren. Bereits die in vielen neuen Wagen eingebauten Abbiege- und Notbremsassistenten retten Leben. Die Prognos-Experten erwarten zwar, dass die Zahl der zugelassenen Autos weiter steigt und es deshalb auch mehr Unfälle im Straßenverkehr geben wird. Aber neue sicherheitsrelevante Assistenzsysteme gleichen diese Entwicklungen aus: Für 2040 erwarten die Wissenschaftler bei Unfällen auf deutschen Straßen rund 1100 Verkehrstote, für 2050 weniger als 700. „Autonomes Fahren wird unser tägliches Leben gewaltig verändern“, sagte Andreas Herrmann von der Universität St. Gallen auf dem Genfer Automobilsalon. „Und wir können die gesellschaftlichen Kosten dramatisch verringern.” 

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