Digitale Infrastruktur

Kommunen-Kooperation: Aus der Region für die Region

HUAWEI, Adobe Stock/Luftbildfotograf

Mit zum Teil nur einem Mbit/s war das Internet viel zu langsam in den zehn Projektkommunen Abtsteinach, Birkenau, Fürth, Gorxheimertal, Grasellenbach, Heppenheim, Lindenfels, Mörlenbach, Rimbach und Wald-Michelbach. Weder die 91.000 Einwohner waren zufrieden mit der Situation der Netzversorgung noch die 7000 ansässigen Unternehmen.

Doch kein Netzbetreiber hatte Interesse, den Breitbandausbau im Kreis Bergstraße zu übernehmen. Für die Verantwortlichen der zehn hessischen Kommunen gab es nur eine Lösung: Sie beschlossen, gemeinsam den Breitbandausbau umzusetzen.

Das interkommunale ­Breitbandprojekt wurde 2011 besiegelt mit der Gründung des Eigenbetriebs IKbit und der Unterzeichnung der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zwischen den zehn Projektkommunen sowie mit der anschließen­den Aufnahme eines Kommunalkredits von rund 20 Millionen Euro bei der WI-Bank. Als Partner stand IKbit die PEB Breitband GmbH & Co. KG zur Seite, ein Zusammenschluss der Tiefbaufirma Klenk & Sohn GmbH und der Entega Medianet, einem Festnetz-Provider.

Der erste Spatenstich für die Verlegung von 230 Kilometer Glasfaserkabel fand im November 2012 statt. Schon 2015 konnte das Gesamtnetz in Betrieb genommen werden. „Unsere Glasfaserkabel reichen bis in die Multifunktionsgehäuse, die neben den Kabelverzweigerkästen der Telekom errichtet wurden“, erzählt Jan Fischer, stellvertretender Betriebsleiter von IKbit. „Bei den letzten Metern bis zum Haus wird weiterhin auf das Kupfer­netz der Telekom zurückgegriffen. Auf diese Weise hat ein Anschluss bis zu 50 Mbit/s, den wir 2018 durch die Einführung von Vectoring im Nahbereich teilweise auf bis zu 100 Mbit/s steigern können.“

Netz auf Konzessionsbasis

In rund 16 Jahren werden sich die Investitionen durch die Netzpacht, die ENTEGA an die Kommunen zahlt, amortisiert haben. Der Konzern unterhält im Rahmen seiner Geschäfts-
aktivitäten eine Vielzahl von Beziehungen zu Kommunen. Insbesondere das Netzgeschäft in den Bereichen Strom, Gas, Telekommunikation basiert auf Konzessionsverträgen und einer langfristigen partnerschaftlichen Zusammenarbeit.

„Vor diesem Hintergrund ist es als Erfolg und die Bestätigung der sehr guten Zusammenarbeit zu werten, dass uns die zehn Kommunen als Partner für den Breitbandausbau ausgewählt haben“, sagt Thomas Schmidt, Geschäftsführer ENTEGA Medianet. „Wir hatten bereits mit dem Landkreis Odenwald ein vergleichbares Breitbandausbauprojekt umgesetzt. Mit Blick auf das Versorgungsgebiet der ENTEGA und den im Odenwald gesammelten guten Erfahrungen war es naheliegend, auch an der Bergstraße aktiv zu werden.“

Alle Bürger im Blick

Die Herausforderungen waren aufgrund der geografischen Gegebenheiten und des straffen Zeitplans zahlreich und komplex. Da die Tiefbauarbeiten und die eingesetzte Netztechnik einen Großteil der Kosten im Rahmen des Ausbaus von Breitbandgebieten ausmachen, war eine langfristige und strategische Planung sowie die Koordination aller Projektbeteiligten die Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Abschluss des Projekts.

„Aus Sicht der Kommunen und damit der Bürger und ansässigen Unternehmen ist der wesentliche Mehrwert, dass die Kommunen den Breitbandausbau in die eigene Hand genommen haben“, erläutert Schmidt. „Kommunen verfolgen im Gegensatz zu privatwirtschaftlichen Unternehmen deutlich langfristigere Ziele, in der Regel haben sie einen Zielhorizont von rund 15 Jahren. Dabei haben sie alle Bürger und nicht nur einzelne profitable Kunden im Blick“, so Schmidt weiter. „Damit bietet der Landkreis Bergstraße, wie auch der Landkreis Odenwald, seinen Bürgern und Unternehmen eine zukunftsfähige Breitbandversorgung ,aus der Region für die Region‘“.

Verkaufen will die Kommunenallianz ihr Netz nicht. Zwar müssten noch Lücken geschlossen werden, aber daran werde gearbeitet, und auch in Sachen 5G will man sich noch beraten. „Das Netz läuft jetzt seit fast drei Jahren. Wie es weitergeht, wissen wir vielleicht in einem Jahr“, sagt Jan Fischer von IKbit.


20 Millionen Euro investierten die Kommunen in den Breitbandausbau. Der Kommunalkredit refinanziertsich durch eine Netzpacht


Dieser Artikel erschien im Einblick Politikbrief, Ausgabe 01/2018: Download Politikbrief 01/2018