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Mehr Sicherheit im öffentlichen Personennahverkehr

Das Projekt InREAKT gehört zu den zehn Preisträgern des Deutschen Mobilitätspreises 2017, für den sich rund 170 Start-ups, Unternehmen, Verbände und Forschungsinstitutionen beworben hatten.

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist zentraler Bestandteil der städtischen Infrastruktur. Vorfälle von Gewalt, Sachbeschädigungen und Vandalismus in Bussen und Bahnen sowie an Haltestellen können die Sicherheit von Fahrgästen und Mitarbeitern gefährden. Im Jahr 2015 wurden allein in Berlin in den Verkehrsmitteln der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) 3007 Übergriffe registriert, das sind rund acht pro Tag.

Um Fahrgäste, aber auch Fahrer, Fahrscheinkontrolleure und Sicherheitskräfte besser zu schützen und die Sicherheit im ÖPNV zu erhöhen, hat die Studiengesellschaft für Tunnel und Verkehrs­anlagen e. V. (STUVA) gemeinsam mit fünf weiteren Partnern aus Wirtschaft und Forschung mit finanzieller Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das System InREAKT entwickelt.

Das System basiert auf dem Zusammenspiel von akustischen, optischen und mechanischen Sensoren, die beispielsweise Tiefenbilder von Situationen erstellen, ohne dass Alter, Geschlecht oder Ethnie der Personen erkennbar wären. Die Daten der Sensoren werden in Echtzeit von einer intelligenten Software ausgewertet, die Risikosituationen erkennt und eine entsprechende Meldung an die Leitzentrale absetzt.

„Zwar werden im öffentlichen Raum und auch im ÖPNV mehr und mehr Kameras zur Videoüberwachung installiert, aber die meisten Bilder werden nur gespeichert, um sie beispielsweise nach einem tätlichen Übergriff zwecks Strafverfolgung auszuwerten“, sagt Dr. Christian Thienert vom Forschungsinstitut STUVA. „Es ist ein Irrglaube, dass jemand irgendwo in einer Leitstelle sitzt, alles im Blick hat und im Fall der Fälle schnell Hilfe verständigt.“ Genau hier setzt InREAKT an. Nach dem Erkennen einer Gewalttat und dem automatischen Melden in der Leitstelle schlägt das System konkrete Handlungsmaßnahmen vor und trägt somit zur effektiven Intervention bei.

Kritische Situationen erkennen und datenschutzrechtliche Aspekte berücksichtigen

Bereits jetzt ist ein Straßenbahnfahrzeug mit bis zu zwanzig Kameras ausgestattet. Diese können durch Tiefenbild­sensoren unkompliziert und ohne Fahrzeugausfallzeiten ergänzt werden.

Die intelligente Softwarelösung ist so aufgebaut, dass sie in weiten Teilen auf vorhandene IT-Infrastrukturen, zum Beispiel dem Bordrechner in Bussen und Bahnen, aufsattelt. Darüber hinaus ­besteht das Programm im Wesentlichen aus Software­komponenten, die einfach in bereits vorhandene Leitstellen integriert werden können. Als zusätzliche Endgeräte bei Mitarbeitern aus den Bereichen Service und Sicherheitsdienst sind lediglich handelsübliche Smartphones erforderlich. „Über den Mobi­litätspreis hinaus haben wir sehr guten Zuspruch erhalten“, erzählt der Projektkoordinator von InREAKT.

InREAKT hat bereits während der Entwicklungsarbeiten in engem Kontakt zu späteren Endnutzern gestanden und Anregungen sukzessive umgesetzt.

Aktuell ist ein Pilotprojekt geplant, bei dem zunächst einmal ein Stadtbahnfahrzeug mit Sensorik ausgestattet wird. „In diesem Zusammenhang wird uns der Mobilitätspreis dabei helfen können, Verkehrsunternehmen von der Qualität von InREAKT zu überzeugen“, so der Ingenieur. Darüber hinaus sollen die Software­lösungen für die Leitstelle und die Apps für die operativen Mitarbeiter in alltäglichen Situationen getestet werden. Mehr Infos unter www.inreakt.de

Dieser Artikel erschien im Einblick Politikbrief, Ausgabe 02/2017: Download Politikbrief 02/2017