Vermischtes

Interview: Mit neuen Technologien unsere Zukunft gestalten

Schon an seinem ersten Arbeitstag hatte Jens Spahn angekündigt, die Digitalisierung im Gesundheitswesen zu einem seiner Schwerpunktthemen zu machen. Dieser Bereich müsse dringend ausgebaut werden, so der Bundesgesundheitsminister

Rund 356,5 Milliarden Euro gab Deutschland laut Statistischem Bundesamt 2016 für sein Gesundheitswesen aus. 2017 soll es schon um 4,9 Prozent teurer gewesen sein. Der medizinische Fortschritt, der demografische Wandel und das An­steigen chronischer Krankheiten sind drei der Gründe dafür. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hofft auf die Digitalisierung der Branche. Damit soll die medizinische Versorgung verbessert und zum Beispiel der Zugang zu Fachärzten erleichtert werden. Auch unnötige Wege in die Praxis könnten den Patienten durch Online-Sprech­stunden erspart werden. Die Umsetzung der Telematikinfrastruktur bis zum Jahresende ist ein wesentlicher Schritt in die E-Health-Ära. Wie Jens Spahn die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung einschätzt, beantwortet er in einem Kurzinterview:

Welche Chancen bieten digitale Services der Gesundheitsbranche?
Die Digitalisierung ist der Schlüssel, um unsere Gesundheitsversorgung zu verbessern. Nicht nur, indem wir Ärzten die Behandlung ihrer Patienten erleichtern. Sondern auch, indem wir Fortschritte in der Forschung ermöglichen. Dank Digitalisierung können wir unterschiedliche Datenquellen besser auswerten und neue Erkenntnisse über Krankheiten gewinnen. Das hat in der Konsequenz auch enorme wirtschafts- und beschäftigungspolitische Effekte in einer der größten Wachstumsbranchen der Zukunft. Ich bin überzeugt: Wir haben eines der besten Gesundheitssysteme weltweit. Wir stehen aber auch im internationalen Wettbewerb um das Gesundheitswesen der Zukunft. Und dies können wir nur mit neuen Technologien entscheidend mitgestalten.

Von vernetzten Krankenwagen bis zu mobilfunkgestützten Telemedizinanwendungen – sie alle benötigen zuverlässige, sichere Datennetze mit niedrigen Latenzzeiten: Ist Deutschland tech­nologisch darauf vorbereitet?
Noch nicht. Und deshalb haben wir im Koalitionsvertrag auch vereinbart, bis 2025 den flächendeckenden Ausbau mit Gigabitnetzen zu erreichen und Deutschland zum Leitmarkt für 5G zu entwickeln. Dafür brauchen wir eine gemeinsame Kraftanstrengung von Telekommunikationsanbietern und Staat. Ich bin sicher: Das werden wir schaffen.

Welche Möglichkeiten soll der E-Health-Bereich in Deutschland in vier Jahren bieten?
Ich will die Digitalisierung des Gesundheitswesens so vorantreiben, dass die Bürgerinnen und Bürger spürbare positive Veränderungen wahrnehmen. Neben der Speicherung des Notfalldatensatzes und des Medikationsplans auf der elektronischen Gesundheitskarte werden wir auch die Voraussetzungen für eine elektronische Patientenakte auf den Weg bringen und weitere Anwendungen wie einen elektronischen Impfpass und einen elektronischen Mutterpass einführen. Ich möchte in vier Jahren ein Gesundheitswesen, in dem uns digitale Anwendungen helfen, regionale und sektorale Grenzen zu überwinden. Ich denke an Ärzte verschiedener Fachrichtungen, die Technologien und Plattformen nutzen werden, um sich bei komplexen Krankheitsbildern noch besser und zielgerichteter abzustimmen. Das verbessert die Versorgung des einzelnen Patienten entscheidend.


Rund 374 Milliarden Euro soll das Gesundheitswesen 2017 gekostet haben
Quelle: Stat. Bundesamt


Dieser Artikel erschien im Einblick Politikbrief, Ausgabe 01/2018: Download Politikbrief 01/2018