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Wenn Autos mit Fahrrädern und Fußgängern sprechen können

Adobe Stock/Chombosan

Das Fahrzeug als Chauffeur, Entertainer und Arbeitsplatz: Das Autofahren der Zukunft verspricht nicht nur sicherer, sondern auch weitaus komfortabler zu werden. Bis es so weit ist, müssen neben rechtlichen Rahmenbedingungen viele weitere technologische Voraussetzungen und Standards geschaffen werden.


Einparkhilfen, Entfernungsmesser, Bremsassistenten: Schon heute verfügen moderne Fahrzeuge über die unterschiedlichsten Arten von Sensoren. Doch ein voll automatisches und assistiertes Fahren wird erst durch 5G und die auf Mobilfunk aufbauende „Cellular vehicle-to-everything“-Technologie (C-V2X) möglich, die in den Fahrzeugen für die Bereiche Infotainment, Fahrerassistenzsysteme bis hin zum autonomen Fahren zuständig ist.

Durch C-V2X können Fahrzeuge untereinander kommunizieren genau wie mit Fahrrädern, Passanten oder Ampeln. EU-weit könnte damit die Straßenverkehrssicherheit erhöht werden, und Kosten in Höhe von bis zu 43 Milliarden Euro könnten eingespart werden, die jedes Jahr durch Verkehrsunfälle und Staus entstehen. Das ergab eine Studie, die die 5G Automotive Association (5GAA) 2017 in Auftrag gegeben hatte.

Aktueller Standard stößt an Grenzen

„Zwar ermöglicht der WLAN-basierte Standard 802.11p bereits jetzt direkte Funkverbindun-gen zwischen Fahrzeugen und Ampeln“, erläutert Markus Dillinger, 5GAA Secretary and Member of the Executive Committee. „Aber unter bestimmten Umständen, beispielsweise bei dichtem Verkehr, gerät der WLAN-Standard an seine Grenzen.“ Wenn viele Fahrzeuge versuchen zu senden, kollidieren die Nachrichten und die Übertragung wird fehleranfälliger.

Dagegen sorgt die Funktechnologie 5G in Kombination mit C-V2X für zuverlässige Datenübertragungen bei kontrolliert niedrigen Latenzzeiten. Hinzu kommt eine weitere Technologie: das Mobile Edge Computing. „Da der Übertragungsweg davon abhängig ist, wie weit das Rechenzentrum vom Ort des Geschehens entfernt ist, werden die Daten der Verkehrsteilnehmer in sogenannten Cloudlets, also Cloud-Rechenzentren, in unmittelbarer Nähe der Straße verarbeitet“, sagt das 5GAA-Mitglied. C-V2X ist damit eine Technologie für sämtliche Anwendungsfälle im Straßenverkehr.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist, dass die vorhandenen Mobilfunk­systeme für den Betrieb von C-V2X genutzt werden können. Dagegen würde der Aufbau einer unabhängig betriebe-
nen Infrastruktur entlang der Straßen erheblich höhere Kosten mit sich bringen.

Die 5GAA-Studie zeigt auch, dass die Vorteile der C-V2X-Technologie für die EU in ihrer Einsatzflexibilität liegen, da sie sich sowohl für den Nahbereich als auch für größere Reichweiten eignet. Für die weitere Entwicklung auf 5G bringt sie enorme Verbesserungen für Sicherheit und Komfortfunktionen.

Frühzeitig Einfluss nehmen

„Die Fahrzeughersteller sollten sich möglichst schnell darauf einigen, dass C-V2X die einzige zukunftsträchtige Technologie ist, die jetzige und zukünftige Anwendungsfälle für alle Verkehrsteilnehmer, auch für Fußgänger und Fahrradfahrer, abdeckt“, sagt Markus Dillinger. Sein Hinweis: Je früher dieser Standard in Deutschland festgelegt wird, desto weniger riskieren Industrie und Gesellschaft, die Standards anderer Länder übernehmen zu müssen, die schneller reagieren.

Eine weitere wichtige Voraussetzung für das Autofahren der Zukunft ist, dass C-V2X denselben Frequenzbereich bei 5,9 Gigahertz nutzen kann wie der WLAN-Standard. Diesen Weg wiederum muss die EU ebnen.

Dieser Artikel erschien im Einblick Politikbrief, Ausgabe 01/2018: Download Politikbrief 01/2018